Seit vielen Jahren ist es Tradition, dass die Frauen der Sudetendeutschen Landsmannschaft die "Erklärung der Frauen" abgeben.

Dieses Jahr ging es um um Rechte und Gesetze

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Autor: Fremdartikel – Gerda Ott, SL-Bundesreferentin
Ort: Regensburg, Deutschland
Kategorie: Artikel
Rubrik: Frauen, Gesellschaft
Datum: 08.06.2019
Portal: www.council-of-athena.com
Textdauer: ca. 5 Min.
Sprache: Deutsch
Titel: Erklärung der Frauen zum70. Sudetendeutschen Tag - Pfingsten 2019


Erklärung der Frauen zum 70. Sudetendeutschen Tag - Pfingsten 2019

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Somit ist dieses wichtige Gesetz 70 Jahre alt geworden - genauso alt wie der Sudetendeutsche Tag.

Zum Sudetendeutschen Tag treffen sich einmal im Jahr die in die verschiedensten Gegenden Deutschlands und Österreichs und darüber hinaus in alle Welt verstreuten Sudetendeutschen, um ihre Gemeinschaft als Volksgruppe und somit ihre Identität zu leben und dabei ein Stück Heimat zu erfahren.

Nur ein Jahr jünger ist die Charta der deutschen Heimatvertriebenen; sie gilt als deren Grundgesetz.

Obwohl die über drei Millionen Sudetendeutschen die menschenrechtsverletzende Vertreibung aus ihrer seit Jahrhunderten angestammten Heimat sowie Entrechtung und Schaden an Körper und Seele erleiden mussten, haben sie trotz des erlittenen Unrechts, zusammen mit den anderen Flüchtlingen und Vertriebenen und späteren Aussiedlern aus dem Deutschen Osten in der Charta auf Rache und Vergeltung verzichtet.

Einmal im Jahr erinnern die Sudetendeutschen an den 04. März 1919. Zu den Forderungen dieses denkwürdigen Tages gehört das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die friedlichen Kundgebungen wurden seinerzeit in mehreren Städten im Sudetenland durch Schüsse vom tschechischen Militär in die Menge unterdrückt. Dabei kamen auf Seiten der sudetendeutschen Demonstranten 54 Menschen, darunter Frauen und Kinder, ums Leben. Dieses unsägliche Geschehen fand vor 100 Jahren statt. Auch daran erinnern wir erneut in diesem Jahr.

Und ein werteres Ereignis jährt sich zum einhundertsten Mal - das Wahlrecht der Frauen.

Die Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung vom 19. Januar '1919 war die erste, an der deutsche Frauen als Wählerinnen und Gewählte teilnahmen.

Viel haben die Frauen erreicht, wenn wir z. B. in Artikel 1 Absatz 1, Satz 1 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland lesen:
,, Die Würde des Menschen ist unantastbar"
Und in Artikel 1 Absatz 2 steht:
,,Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen
Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt."
ln Artikel 3 Absatz 1 und Absatz 2 Satz 1 steht:
,,Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt."
Und in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen heißt es u. a. :
"Die Völker müssen erkennen, dass das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen wie aller Flüchtlinge, ein Weltproblem ist".

Weiter wird an das christliche Gewissen der Völker appelliert, sich zu einer Lösung des Weltproblems Flucht und Vertreibung zu verpflichten.

ln den Erklärungen der Frauen in den letzten Jahren wurde immer auf die leidvollen Erfahrungen der Sudetendeutschen durch die Vertreibung und auf die Aufbauleistung der Frauen und Mütter hingewiesen.

Es ist uns allerdings als Volksgruppe - auch im Verband - und als Eltern nicht voll gelungen, der nachfolgenden Generation unser Schicksal, unsere Ziele und Forderungen so zu vermitteln, dass sich die Mehrheit in irgendeiner Art und Weise im Verband aktiv betätigt.

Daran werden wir in Zukunft besonders arbeiten müssen.

Die Frauen in der Sudetendeutschen Landsmannschaft
Regensburg, Pfingsten 2019

Text: Gerda Ott, SL-Bundesfrauenreferentin